Bericht

Das allerletzte Berliner Open anno 2008 im Zugzwang-Pavillon
Von Olaf und Hendrik

82 Schachfreunde treten sich „feindlich“ im gemütlichen Quartierspavillon am 27.12.08 gegenüber. Die Spieler – für die Statistiker – kommen aus 8 Nationen, darunter sind 4 Titelträger und 6 Teilnehmerinnen. Da die intensiven Vorbereitungen schon in der Vorweihnachtszeit gelaufen waren, kann die Turnierleitung mit Lothar Stelzer, Martin Sebastian und Hendrik Madeja das Turnier pünklich starten, am Grill unsere liebe Ines Engler und Björn Wiechlitzki. Durch die Steigerung der Teilnehmerzahl wartet ein gut gefüllter aufgestockter Preisfond auf die Sieger der Kategorien, der zudem von Sponsor RA Roland Exner unterstützt wird.

Die erste Runde verläuft friedlich und ohne nennenswerte Besonderheiten. Herausgehoben sei hier SF Cosmin Alexandru Ivascu (U14) der einen Sieg einfährt. Die Küche bietet zum Auftakt Hackbraten – auch hier keine Besonderheiten.
Die Runde zwei am 28. Dezember startet mit Sonnenschein und Bodenfrost. Leider rutschen dadurch nicht alle Teinehmer pünklich an ihren Startplatz. Mitten im Turnier wird ein neuer Teilnehmer zugelassen, es ist Teufel Spielfrei, der jedoch kampflos verliert. Keine Besonderheiten an den vorderen Brettern, nur der „Aussetzer“ Roland Boewer schränkt seine Möglichkeiten maximal ein und bleibt weiter fern. Die improvisierte Cafeteria mit neuer Schallisolierung, dank Gerd Zur, schlägt sich ausgezeichnet. Es gibt nun eine kleine Analysemöglichkeit, zum Steak Letscho. Dies macht echt viel aus, genau wie das faire Verhalten der Turnierteilnehmer. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben: Letscho ist bald aufgegessen! Nun ist Steak „Hawai“ der Renner.

Endlich Linseneintopf ab Runde 6. Wer nicht gut Schach spielt, soll wenigstens gut essen, dachte sich Berichterstatter Olaf Kreuchauf und futterte gleich 2x Linsen. Mit süßsaurem Lächeln quittieren die Zugzwängler die Nullen von Det gegen 2 Meister von morgen: Cosmin Alexandru Ivascu und Silvio Alten. Und Sonja Mahler knallte Mister „Sanssouci“ (Jens Sorgenfrei) weg. – Nach 5 absolvierten Runden tummelten sich folgende Spieler auf den vorderen Plätzen: Ulf von Herman, Benjamin Dauth, Gerhard Lüders, Kamel Njili (4½) sowie Ruprecht Pfeffer, Vorjahressieger Johannes Sondermann und Uwe Sabrowski (4). Für Spannung war also gesorgt, denn viel Feindberührung der Spitzenkräfte hat es bis dato nicht gegeben.

In der 5.Runde – sein Name ist Programm! – gelingt es Jens Sorgenfrei, überlegen nach 93 Zügen sein strategisches Opfer von Turm und 3 Bauern als korrekt nachzuweisen. Allerdings setzte er erst im letzten Zug matt. Dass Materialverhältnisse Schall und Rauch sind beim SC Zugzwang, war auch in der Letzrundenpartie von Det (Detlef Just) zu beobachten. Sein doppelter Turmeinsteller reichte gerade so zum Punkt, er selbst behauptet, das Doppelopfer wäre von langer Hand vorbereitet gewesen. 😉

Zu Runde 6 wird das Bauerfrühstück es gerichten müssen. Natürlich mit Bio-Eiern aus biodynamischer Käfighaltung (64 Hühner pro Quadratmeter) und mit Bio-Kartoffeln, die auch ohne Ei genießbar sind. Recht früh legen Uwe Sabrowski (1:0 gegen Werner Püschel) und Ulf von Herman (1:0 gegen Gerhard Lüders) vor, die anderen 2 Spitzenbretter knautschen. Aus der Meute der Verfolger entledigt sich Gregor Salzberg seiner Aufgabe am schnellsten. Benjamin Dauth macht sich in Nordafrika unbeliebt, er besiegt Kamel Njili, und der Vorjahressieger Johannes Sondermann kapituliert gegen Ruprecht Pfeffer. An der Spitze nun Ulf von Herman und Benjamin Dauth (5½), die schon aufeinander trafen (remis), ihre Gegner der letzten Runde werden Uwe Sabrowski und Ruprecht Pfeffer (beide 5) sein. Auf die Preise lauert außerdem die wilde Horde mit 4½ Punkten. Da dürften heiße Fights ins Haus stehen, hoffentlich wie bisher ohne Streitfall. Bauernfrühstück ist aus in der Mittagspause, also schwärmen die Einkäufer aus, um eine Wiederbeschaffungsmaßnahme der benötigten Rohstoffe vorzunehmen. Wessen Magen nicht warten kann, der begnügt sich derweil zum Beispiel mit Spaghetti Bolognese oder einem leckeren Salat mit Bio-Grünzeug.

An den ersten beiden Brettern kommt es zu Punkteteilungen, was der wilden Horde von Verfolgern die Möglichkeit eröffnet, mittels Siegen aufzuschließen und die Entscheidung via Buchholzwertung nötig zu machen. Mitten in der Abschlussrunde gibt es wieder Bauernfrühstück. Und irgenwann sind alle Partien ausgekämpft. Wir gratulieren IM Ulf von Herman zum Turniersieg. Punktgleich ist nur „Big Ben“ – BMM-Chef und FIDE-Meister Benjamin Dauth. Einen halben Punkt dahinter landen die weiteren Hauptpreisträger: Ruprecht Pfeffer, Gerhard Lüders, Kamel Njili, Gregor Salzberg und Uwe Sabrowski. Letzterer hatte nach einer Startniederlage den besten Lauf, aber wegen jener Erstrundennull auch die kleinste BH-Wertung.

3 Wertungszahl-Kategorie haben Schiedsrichter Martin Sebastian und Turnierdirektor Hendrik Madeja zu vergeben. 1801-2000, 1601-1800 sowie bis 1600. Die erstgenannte Gruppe umfasst mit 30 die meisten Spieler, mit 5 Punkten gewinnt ein Vertreter der berühmten Fredersdorfer Schachschule den ersten Preis: Gregor Fehrmann, seines Zeichens FM (= Fredersdorfer Meister), es folgen Rainer Seidel und Exrotationer Jan Zur. Cosmin Alexander Ivascu freut sich über den ersten Preis in der Kategorie bis 1800, 2.Preisträger ist Ken Michel. In der Gruppe bis 1600 erweist sich Theresa Pohl deutlich als Spielstärkste und Erfolgreichste. Bei der Entscheidung um Platz 2 kommt zum einzigen Mal die 3.Wertung zum Tragen: Sonja Mahler hat einen Gegnerschnitt von 1813, Manfred Musielaks Schnitt liegt 48 Punkte darunter, er geht also leer aus.

In der U14 liegen Cosmin Alexander Ivascu und Theresa Pohl vorn, da diese aber schon andere Preise inne haben, darf sich der drittplatzierte Silvio Alten bedienen. Bei den Frauen und Mädchen siegt die zehntplatzierte Elizabeth Kellner aus den USA.

Als Fazit lässt sich ziehen, dass sich zum Jahresende in der Region Berlin-Brandenburg das Prenzlberg-Open neben dem traditionsreichen Potsdamer Weihnachtsturnier etabliert hat. Immerhin erlebte das Prenzlberg-Open nun schon die dritte Auflage. Der Bio-Chefkoch kündigte als nächstes Open-Turnier in den Heiligen Hallen des SC Zugzwang – das Alle-18-Turnier im Frühjahr- an; wer am 2.Januar hier im Spiellokal aufschlägt, darf sich am abendlichen Blitzturnier beteiligen. Gäste sind herzlich eingeladen.