Bericht Runde 1 – erste Mannschaft (von René S.)

Menschen statt Maschinen!

Der Tag fing schon gestern nicht gut an, denn da sagte Peter kurzfristig ab. Ich sandte zwar noch eine Mail an alle Spieler der Mannschaft, aber Bernd hatte nicht mehr in sein Postfach geschaut und war sauer, dass er nicht informiert wurde. Kann ich verstehen, denn die Vorbereitung war ja damit im Eimer und das ist in der Stadtliga an den vorderen Brettern doch schon ein gewisser Einschnitt. Für den Gegner gilt zwar i.d.R. das gleiche, solange er sich nicht zufällig auf den Nachrücker vorbereitet hat, aber das ist natürlich nur eine geringe Entschädigung.

Also ein Spieler kurzfristig ausgefallen, ein Spieler verärgert, schlimmer kann’s ja kaum noch werden. Denkste! Um 9.00 Uhr sitzen 7 Spieler 7 Spielern gegenüber. Bei dem Gegner fehlt Brett 1 bei uns Brett 4, aber nicht Peter der durch Aufrücken Martin Langs ersetzt werden konnte, sondern unser Mannschaftsleiter. Beim Gegner änderte sich der Zustand der Unvollständigkeit noch rechtzeitig, bei uns leider nicht. Der ML. war erst spät erreichbar, wenigstens nicht mehr müde.

Ganz klar, Menschen müssen durch Maschinen ersetzt werden. Nun gut, es wurde immerhin doch noch Schach gespielt:

Brett 1: Jan spielte gewohnt klassisch gegen seinen starken spanischen Gegner Jorge Bascon. Sah für mich anfangs nach einem Giuco Piano aus und ich warf nur gelegentlich einen Blick drauf. Ich dachte mir, Jan wird schon alles im Griff haben. Da gab’s einen Moment – der Gegner zog Sh4 – wo ich dachte, dass Jan mit Sxe4 und Abzugsangriff auf den Sh4 einen Bauern gewinnen konnte. Aber vermutlich war dem nicht so. Das nächste Mal als ich draufschaute umschwirrten viele weiße Figuren Jans bloßgelegten König. Das war’s.

 

Brett 2: Bernd kam spürbar schwer in die Partie gegen Tobias Jäger nach dem Aufstellungsschock. Er hatte nun zwar Weiß, allerdings auch einen Gegner, der gut Königsindisch spielen konnte. Bernd spielte sehr scharf, die Stellung öffnete sich, gefühlsmäßig nicht unbedingt zu seinem Vorteil, aber man durfte lange Zeit hoffen. Allein es nutzte nix, jedoch weiß ich nicht genau, woran es schlussendlich gelegen hatte.

 

Brett 3: -+ Tja, es wäre bestimmt eine interessante Partie geworden. Arno hätte sich für die Niederlage gegen Herbert im Vorstoßfranzosen vom letzten Jahr revanchieren können.

 

Brett 4: Norman spielte gegen Rainer Hoffmann mit Weiß das, was er sonst auch immer spielt. Sah nach einer soliden Stellung aus, da muss ja im London-System auch gewaltig was schief gehen, wenn dem nicht so wäre. Auch das Endspiel sah gut aus, wenn da nicht das Läuferpaar auf der falschen Seite gestanden hätte. Ich weiß zwar nicht, was Normans Analyse ergeben hat, aber nach meinem Eindruck, war dieses Endspiel sehr schwierig für Weiß und das Resultat bei einem so erfahrenen Gegner dementsprechend.

 

Brett 5: Jürgen verteidigte sich sehr gut gegen Helmut Schöffler. Ich glaube Damengambit stand zur Diskussion. Als ich frische Luft schnappte unkte irgendwer, dass Jürgen nun Probleme bekäme, ich meinte, das sieht nur so aus – ist halt ne typische Jürgen-Stellung. Gerade wenn der gegnerische Angriff anfängt zu rollen, wird alles abgeholzt und zum Remis verbrannt. Einverständnis des ML. vorausgesetzt, aber der war ja nicht da. Jürgen erkor mich zur passenden Instanz ersatzweise aus und musste jetzt durch meine Schuld das Remis auskämpfen. So kam’s dann auch. In einem für Jürgen brenzligen Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern bewies er gute Endspieltechnik und zeigte wieder Mal, dass etwas anderes als Remis gegen ihn kaum drin ist.

 

Brett 6: Ich hatte keine Mühe gut aus der Eröffnung gegen Roman Popov zu kommen, servierte mir mein Gegner doch einen Pseudo-Sweschnikow, in dem ich mich (vermeintlich) ziemlich gut auskannte. Mit einem bekannten Figurenopfer erreicht Weiß eine komplizierte Ausgangslage, in der ihm seine starken Freibauern am Damenflügel eine gefährliche Initiative geben. In meinen Gedanken lief denn auch lange Zeit die Schallplatte: „Du gewinnst, wenn Du jetzt keinen Fehler mehr machst…“

 

Schildt-Popov Gewinnstellung

(Schildt-Popov) Ich zog hier c5, hätte aber gewinnen durch? (Auflösung am Ende des Berichts)

 

Inzwischen hat die Analyse gezeigt, dass der richtige Titel lief (siehe Diagramm), doch irgendwann wurde er dann leider geändert in „ Du verlierst, wenn Du jetzt noch einen Bauern einstellst…“.

Weit später stand dann eine Stellung auf dem Brett, die ich noch hätte ewig weiterkneten können, aber die Mannschaft hatte bereits verloren und ich Geburtstag und das Resultat wäre wohl das gleiche gewesen. Bin halt auch keine Maschine.

 

Schildt-Popov Schlussstellung

Geknetet hätte ich aber immerhin nicht allein– mehr dazu siehe Brett 8.

 

 

Brett 7: Lothars wehrte sich gegen seinen Gegner Gerd Schulze wehrte  Königsindisch, wobei sein Gegner wohl zu einer sehr guten Stellung kam. Manche sahen schon für Lothar Schwarz und das nicht nur, weil er Schwarz hatte. Aber just im vermeintlich schwärzesten Moment hatte er ein sehr listiges und giftiges Bauernopfer ausgeheckt, dass der Gegner nahm und nicht lange leiden musste. Immerhin ein ganzer Punkt auch auf unserer Seite.

 

Brett 8: Aufrücker Martin Lang kämpfte am längsten und zwar richtig lange – noch lange nachdem alle anderen 53 Partien beendet waren, versuchte er seinem Gegner Burkhard Bornschein den ganzen Punkt abzuknöpfen, bevor er sich mit dem halben zufrieden geben musste. Der Weg dahin war haarsträubend, weil die Damen alles so kompliziert machten – die auf dem Brett natürlich. Der Gegner hatte zwischenzeitlich derer 2 und Martin dafür Turm und Läufer mit Dame in Wartestellung.

 

Lang-Bornschein haarsträubend kl

Ja das war zum Haare raufen.

Lang-Bornschein Diagramm

 

Zu der Stellung vom Foto hätte es sicherlich nicht kommen müssen, denn einige Züge zuvor hatte Schwarz gegen den Turm, den Läufer und den Freibauern von Weiß, selbst nur noch seine eigenen drei (nicht unaufhaltsamen) eigenen Freibauern, einen Läufer und seine unerschütterliche Hoffnung. Aber auch Martin ist eben nur ein Mensch und muss durch eine Maschine ersetzt werden…

 

(Die Lösung für das Diagramm Schildt-Popov lautet übrigens De3!)

1 thought on “Bericht Runde 1 – erste Mannschaft (von René S.)

  • Norman

    Lieber Rene, nachträglich noch alles Gute zu deinem Geburtstag! In der geschlossenen Stellung bleibt mein Endspiel remis, wenn ich es richtig weitergespielt hätte. Danke für deinen, wie immer, informativen Bericht.

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