Archiv für April 2012

Pokal – SC Rochade beinahe überfahren, gegen Lasker unter die Räder

Am vergangenen Wochenende bemühte sich unser Verein um Erfolg in der Berliner Pokalmannschaftsmeisterschaft. Immerhin schafften wir es bis zum Achtelfinale nachdem wir in der Zwischenrunde am Samstag den SC Rochade mit 3:1 aus dem Rennen geworfen hatten. Im Achtelfinale kamen wir jedoch gegen die bärenstark aufgestellte Mannschaft der SG Lasker, die zudem mit einem Mann mehr antrat 😉 mit 0:4 unter die Räder.

Hier ein mein Bericht:

Am Samstag traten wir mit Peter, Arno, Neuzugang Patrick und meiner Wenigkeit an. Am ersten Brett spielte ich gegen André Jäger eine sehr interessante Partie im Sweschnikow-Sizilianer, die ich nach kompliziertem Kampf für uns entscheiden konnte. Peter, den ich ans zweite Brett gesetzt hatte, da er mit Schwarz besser punkten kann als ich, flößte seinem Gegner von Beginn derartigen Respekt ein, dass dieser schon mit dem ersten Zug Remis anbot, was Peter selbstverständlich ablehnte. Die beiden spielten dann eine spannende Partie im Damengambit, wo Peter zunächst unter Druck stand, weil sein Gegner ernsthaft versuchte ihn auf h7 matt zu setzen. Routiniert wehrte er diese Drohungen jedoch ab und es entstand ein ziemlich ausgeglichenes Schwerfigurenendspiel, das Peters Gegner allerdings so viel Kopfzerbrechen bereitete, dass dieser im 39. Zug die Zeit überschritt. Arno musste sich an Brett 3 mit einem sehr unorthodoxen Eröffnungskonzept Marke Eigenbau seines Gegners Dr. Herbert Mayer auseinandersetzen, was zwischenzeitlich zu ziemlich kuriosen Stellungsbildern und allerlei Komplikationen führte, die Arno eigentlich lange Zeit gut und wohl auch zu seinem Vorteil überschaute. Im späten Mittelspiel machte er  aber leider einen taktischen Fehler, der zum Verlust einer Figur und schließlich auch der Partie führte. Neuzugang Patrick bestand die Bewährungsprobe an Brett 4 gegen Routinier und Schachjournalist Dagobert Kohlmeyer mit Bravour in einer positionell angelegten und sauber geführten Partie. Somit hatten wir die Zwischenrunde gut überstanden und konnten uns am Sonntag ins Achtelfinale begeben, was eine Mannschaftsumstellung nach sich zog, da Arno und Patrick am Sonntag unabkömmlich waren. Oskar, der unsere Mannschaft als Kiebitz bereits am Samstag moralisch unterstützt hatte, erklärte sich auch da schon bereit am nächsten Tag zu spielen und organisierte mit Martin Lang schließlich auch den vierten Mann für die Vervollständigung unserer Mannschaft.

Die SG Lasker wie eingangs erwähnt zu fünft angereist, da sie mit Reinhard Müller einen separaten Mannschaftsleiter und Chefmotivator aufboten, erwies uns vollsten Respekt indem sie eine superstarke Truppe bestehend aus dem uns allen bekannten FM Dirk Paulsen (DWZ 2313)  sowie FM Alex Braslavskij (DWZ 2174), Werner Püschel (DWZ 2004) und schließlich Dr. Norbert Hoffmann (DWZ 2093) aufboten. Es war klar, dass wir nur minimale Außenseiterchancen hatten und diese auch durch taktisches Aufstellen aufgrund der Berliner Wertung, die die ersten Bretter übergewichtet, nicht verbessern konnten. Um überhaupt eine Chance zu haben, mussten wir an den ersten beiden Brettern mindestens einen Punkt einfahren, so dass ich mich entschied Peter an Brett 1 und mich an Brett 2 zu postieren, während Oskar an Brett 3 und Martin an Brett 4 ins Gefecht geschickt wurden. Dort gerieten sie in einen ziemlichen Feuersturm, der beide recht bald zur Aufgabe wegen eines überrannten Damenflügels zwang. Martin wurde Opfer des klassischen Minoritätsangriffs im Damengambit, den sein Gegner sauber und kräftig vortrug, während Oskar Werner Püschels Gegenspiel mit Tb8, a6 nebst b5 unterschätzte. Nun standen Peter und ich vor der fast unlösbaren Aufgabe an den ersten beiden Brettern zwei Punkte zu erzielen. Für Peter schien diese Aufgabe nach meiner Ansicht tatsächlich nur schwer lösbar, da er mit seinem damenindischen Aufbau gegen Dirk Paulsens „Badewannen-Formation“ keinen richtigen Ausgleich erzielte. Zum Verständnis, welche Struktur ich etwa meine, soll das nachfolgende Diagramm dienen, auf dem man die „weiße Badewanne c4-d3-e3-f4“ gut erkennen kann:

Zwar zeigte Dirk in der Analyse einige Varianten, in denen Peter genügend Gegenspiel hätte erlangen können, jedoch in der Partie waren Peters Figurenmanöver etwas zu unharmonisch, um dem wachsenden Zentrumsdruck auf Dauer standhalten zu können. Gleichwohl war die Partie hart ausgekämpft und Peter hatte es Dirk absolut nicht leicht gemacht, den ganzen Punkt zu erringen. Leicht gemacht hatte ich es meinem Gegner ebenfalls überhaupt nicht, bzw. er es sich selbst nicht, denn wer die französische Verteidigung wählt, hat es oftmals wie der Name schon sagt mit Verteidigung zu tun und das will gekonnt sein. Mein Gegner bürdete sich diese Aufgabe gleich im doppelten Sinne auf, da er mir durch ein ziemlich anspruchsvolles und zeitraubendes Strukturkonzept am Damenflügel – er zog in der Eröffnung a6-b5-a5-b4-a3, um bei mir eine Schwäche auf a2 zu fixieren – die Gelegenheit gab, einen starken Zentrums-, bzw. Königsangriff zu entfalten. Während der Partie habe ich nicht geglaubt, dass dieses Konzept voll belastbar ist, aber mir war natürlich klar, dass der Nachweis gegen einen so starken Gegner in der praktischen Partie alles andere als einfach sein würde. Energisches Spiel und Präzision waren dafür erforderlich und über lange Zeit gelang es mir auch diesen Erfordernissen gerecht zu werden bei zugegebener Maßen äußerst hartnäckiger und genauer Verteidigung meines Gegners. Doch auch diese wäre wahrscheinlich nicht genug gewesen, wenn ich in der folgenden Stellung den richtigen Zug gefunden hätte:

Schwarz hängt hier schon ziemlich in den Seilen, da seine Figuren aneinander gebunden sind. Ich fand in der Partie aber außer Sf3 keine befriedigende Fortsetzung, obwohl ich in meinen Berechnungen alles Mögliche prüfte – Se2, Txf8 und sogar auch h4, schloss diesen Zug aber leider ohne ihn in die Tiefe zu rechnen ach der Folge Dxh4, Sxf5+, Kg6 aus. Mit etwas mehr Anstrengung hätte ich die Pointe von h4 aber vielleicht gefunden, denn danach wäre die Partiefortsetzung Sf3 richtig stark gewesen und Weiß erlangt in allen Varianten erheblichen Vorteil. Sf3 ohne h4 war freilich noch nicht schlecht, aber eben auch nicht gut genug, um den starken Druck aufrecht zu erhalten. So gelang es meinem Gegner in der Folge einiges Gegenspiel zu organisieren und in der Zeitnotphase schließlich von einem fatalen Fehler meinerseits, der mich Dame und Partie kostete, zu profitieren:

Ich zog 48 Dc5?? und gab nach Dg5+ auf. Mit De4! hätte ich mich jedoch ausreichend verteidigen können. Dazu muss ich anmerken, dass es nach der Zeitkontrolle im 40. Zug nur 15 Minuten Zuschlag gab, was ich, Inkrement hin oder her, als entschieden zu wenig empfinde.

Nun ja, letztlich waren wir der Außenseiter, die Laskeraner haben wirklich gut gespielt, verdient gewonnen und ich wünsche Ihnen auf dem weiteren Weg in der diesjährigen Pokalmannschaftsmeisterschaft nichts anderes als den Titel, so dass wir am Ende behaupten können gegen den Pokalsieger ausgeschieden zu sein.

Pfingstopen 2012, 17. Alle 18

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Wunden lecken nach dem OQT

In Lichtenrade fand in der vergangenen Woche das offene Qualifikationsturnier statt, zu dem sich auch eine kleine Zugzwang-Delegation bestehend aus Neuzugang Alexander, August, Peter und mir begab. Bis auf Alexander allesamt hoch gesetzt in der Teilnehmerliste, war uns von vornherein klar, dass wir auch sehr hoch punkten mussten, um uns am Ende ähnlich hoch zu platzieren. Im Durchschnitt war dies wohl auch unser Ziel, denn einzeln besehen waren die Ambitionen durchaus unterschiedlich. Meine Wenigkeit hatte sich vorgenommen eine DWZ-Leistung von wenigstens 2000 zu spielen, Peter liebäugelte sogar ein bisschen mit der M-Klasse, während August nach meinem Eindruck wohl das bescheidenste Ziel hatte und einfach nur anständiges Schach spielen wollte ohne sich eine arge Blöße zu geben – also die Kleinen hauen, gegen die Großen Remis. Nun ich kann vorweg nehmen, keiner von uns hat sein Ziel erreicht, aber immerhin kam jeder von uns ohne große Blamage durch dasselbe, gleichwohl die ein oder andere Runde doch nicht ganz ohne eine solche ausblieb. Hier ein Beispiel von mir, das ich so in diesem Turnier zum Glück nicht wiederholte:

Weiß am Zug, zieht in geistiger Umnachtung und verliert.

Das Diagramm zeigt im Prinzip das Ende meiner Partie gegen Arnd Bader, der mit einer DWZ von knapp 1800 als Außenseiter in diese Begegnung startete und sich nach der Eröffnung wahrscheinlich schon früh zu Hause sah, denn da stand es noch so:

Wir hatten gerade 17 Züge sowie ca. eine halbe Stunde gespielt und offensichtlich hat Schwarz die Eröffnung, eine verunglückte französische Verteidigung, total verkorkst. Das Computerurteil zur weißen Stellung liegt bei +5 und mehr, was wohl durchaus dem von mir gern gebrauchten Bild einer angeschossenen Bismarck entsprechen mag. Mein Gedankengang war denn auch ungefähr so:  „Na das dauert nicht mehr lange – nur noch einen schönen Treffer landen und versenken.“. Denkste! Von den verschiedenen Gewinnwegen, wovon z.B. h4 ein banaler oder c4 ein brutaler war, entschied ich mich für ein absurdes Wunschkonzertmanöver (Se2 mit der Reiseroute Sf4-Sh5-Sf6 und Händeschütteln), was ob seiner Langwierigkeit meinem Gegner letztlich nur die Möglichkeit zur Instandsetzung seines untergangsreifen Kahns gab. Er brachte denn auch ganz geschickt mit Sc8 die Schiffsschraube wieder in Gang und begann schon bald darauf mich mit den noch intakten schweren Geschützen unter Feuer zu nehmen. Na gut, die hatte ich natürlich auch noch und so wurde selbstverständlich zurückgeschossen, aber das war dann angesichts der Vorgeschichte eben ein vollkommen unerwartetes Gefecht auf Augenhöhe mit enormem Munitionsverbrauch wie man an der eingangs gezeigten „Quasi-Schlussstellung“ sieht. In dieser war das Pulver eigentlich schon komplett verschossen und Wirkungstreffer ließen sich nur noch unter gewaltiger Mithilfe des Kontrahenten erzielen – tja und wer hier an mein superbes Kf1 denkt, hat nicht nur die kleine Aufgabe gelöst, sondern weiß auch wie kooperativ ich hier war. Übrigens hielt Arnd Bader, von diesem Kontersieg vielleicht besonders motiviert, den eingeschlagenen Siegeskurs und versenkte bis zum Erreichen des Turnierhafens noch wenigstens ein weiteres Schlachtschiff – nämlich unsere „Peter Hintze“.

Peter hatte zum Schluss aber noch die geringsten Blessuren zu ertragen und gelangte als 15ter mit einem DWZ-Minus von „nur“ 17 Punkten ins Ziel, wobei der begrenzte Schadens auch einem Glücksmoment zu verdanken ist, den Peter gekonnt für sich zu nutzen verstand. In der folgenden Stellung verteidigte sich sein erfahrener Gegner, Hans-Jürgen Körlin oder auch „Körle“ wie ihn seine Freunde nennen dürfen, nach dem schwarzen Damenschach ziemlich unglücklich mit Te1, wonach Peter eine nette petite combination zum Sieg verhalf:

Nach Ke2 oder f2 ist indes überhaupt nicht zu sehen wie Peter die Partie hätte halten, geschweige denn gewinnen können. Kleiner Tip – der Turm ist nach Te1 gefesselt, darf aber trotzdem geschlagen werden, wobei die Reihenfolge entscheidend ist.

Da sich Peter nun wie anfangs erwähnt eigentlich vorgenommen hatte, die M-Klasse zu erreichen und eine DWZ „nur“ nahe der 2000 ihm nicht wirklich standesgemäß erscheint, hat er sich gleich beim SC Kreuzberg für die Teilnahme an der dort stattfindenden A-Klasse angemeldet. Dort wird er dann auch auf Arno treffen und die beiden können im Prinzip ein verlängertes Stechen um den Ausgang der Vereinsmeisterschaft spielen, falls sich bis dahin nichts entscheidendes mehr tun sollte.

Meine Wenigkeit wird ebenfalls versuchen die Scharte in der A-Klasse auszuwetzen, allerdings bei Berolina im Schachcafé en passant. Mit einem Minus von 19 DWZ Punkten und Zieleinlauf auf dem 17ten Platz hielt sich der Schaden bei mir ebenfalls in vertretbaren Grenzen, nicht zuletzt dank wenigstens einiger heller Momente, wie dem folgenden, in dem mein Gegner, immerhin knapp 400 DWZ-Punkte leichter, mir als Nachziehendem Remis anbot:

Ich lehnte das Remisangebot erst ab und begann dann nachzudenken, wobei mir gar nicht so schnell ein Grund für die Ablehnung einfallen wollte, da kaum ein vernünftiger Zug auszumachen war. Eigentlich standen alle schwarzen Figuren schon perfekt. Doch schließlich fiel der Groschen und ich wusste, warum ich das Remis abgelehnt hatte. Wer’s von den Lesern hier noch nicht weiß und auch nicht selbst herausfinden will,  lese schnell bis zum Schluss, bzw. springe direkt dorthin.

August hat mit einem Minus von 31 DWZ-Punkten die größten Wunden zu lecken, wobei ich manchmal den Eindruck hatte, August hätte den Brand, bzw. Wundbeschleuniger mitgebracht – nicht so klar allerdings, ob für sich selbst oder seinen Gegner. Folgendes Beispiel aus der ersten Runde soll verdeutlichen, was ich meine:

August hat Schwarz, jawohl. Sein Gegner Vojo Katic hat so ca. 400 DWZ-Punkte weniger als August und steht wie man leicht sieht total auf Gewinn. Unbeachtet dessen, dass er eine Figur mehr hatte, konnte er in dieser Stellung mit Txa7 das Licht gleich ganz ausschalten. Problem daran – die beiden sind gerade im 41. Zug angekommen. Zeitnotphase überstanden? Blitzmodus noch nicht abgestellt? Nein, Zeitnotphase nie erreicht, Blitzmodus ab dem ersten Zug angestellt. Die beiden haben zusammen gerade mal 10 Minuten verbraucht und Vojo Katic noch ganz in Eile zieht schnell Lxe5??, wonach Fritz von +15 auf 0 komma irgendwas oder eben August von totaler Abrissstellung auf „Nun will ich kein Remis mehr!“ springt, denn eben dieses Remis bot ihm sein Gegner an, nachdem August genüsslich aber immer noch schnell mit TxLe5 nebst Dd1 Schach die Figur zurückgewann. Vielleicht war das ja August’s Strategie – schnell bis zum Endspiel blitzen, weil er weiß, dass er da ein Bulle ist und Bullenzüge machen kann wie denn auch in dieser Partie im entstandenen Bauernendspiel:

Schwarz zieht und gewinnt.

In der Einleitung hatte ich geschrieben, dass es Augusts Ziel war die „Kleinen“ zu verhauen. Nun das ging allerdings zumindest einmal gründlich schief. Emil Schmidek – mit 10 Jahren noch eher klein, aber dafür ganz sicher ein Riesentalent war zwar in der folgenden Stellung mit Schwarz  kurz davor von August eine Lektion im Endspiel erteilt zu bekommen:

Aber anstatt dies mit a4 kurz und schmerzlos durchzuführen, wollte August dem kleinen die Leviten oder Pamphleten lesen und setzte dazu mit f3 an. Der Junge schien nach Augusts Eindruck ziemlich gelangweilt und was soll man sagen:

hätte die Schlussstellung wohl sogar im Schlaf gewonnen, weshalb August hier die Waffen streckte.

Nun lecken wir also unsere Wunden und werden uns vom Blut berauscht auf unserer Gegner in der letzten Runde der BMM stürzen. Achja mein Bullenzug war übrigens Te4! mit der nicht gut zu verhindernden Drohung Te3+nebst Txb3. Der Turm kann nicht geschlagen werden, weil das dann entstehende Bauernendspiel glatt für Schwarz gewonnen ist.

Keine Macht den Drogen

Am Freitag wurde dem Vorstand ein offizielles Schreiben des Spielausschuss des DSB zugestellt. Es enthielt die Kopie eines Protokolls der NADA (Nationale  Anti Doping Agentur / www.nada-bonn.de) über einen unangekündigten Dopingtest am 9.3.2012 an drei Spielern des SC Zugzwang 95 in der Trainingsstätte des Vereins im der Thomas Mann Str. im Quartierspavillon, dessen Ergebnisse und den (möglichen) Konsequenzen für die Betroffenen.

Hä? Was bitte war am 9.3. los? Ich konnte mich an keine Kontrolle irgendeiner Art erinnern –aber dann dämmerte es mir.

Am 9.4. – wir erinnern uns, Karlheinz feierte seinen 80.ten  und wir spielten die 6. Runde der Clubmeisterschaft –  kamen unerwartet und unangekündigt  zwei  Herren ins Quartierspavillon, die sich unauffällig unter die Menge mischten. Beide beteiligten sich auch an freien Partien und an der einen oder anderen Gesprächsrunde. Einer machte sich Notizen in einer Kladde sowie Fotos, bis Dato dachte ich von den Partiestellungen an zwei Brettern, beides Begegnungen der A-Gruppe. Nun, dagegen war ja nix einzuwenden, obwohl die Stellungen nun wirklich eher langweilig waren.

Mit dem Kenntnisstand von heute stellt sich die Sache ganz anders dar. Beide „Gäste“ waren Kontrolleure der NADA im Auftrag von DOSB und DSB. Offensichtlich hatten sie den Auftrag für eine unangekündigte Trainingskontrolle entsprechend $17 (2) ( www.nada-bonn.de/doping-kontroll-system/trainingskontrollen/rechte-und-pflichten/ ).

Aber wieso eigentlich, beim Schach gilt doch soweit bekannt, dass nur Teilnehmer der deutschen Meisterschaft und der 1. Bundesliga der Antidopingcharta unterworfen sind. Dies steht auch immer noch so auf der Webseite des DSB  

Offensichtlich gibt es dort aus aktuellem Grund eine nicht publizierte Änderung in der Verfahrensweise. Meine diesbezügliche Rückfrage beim Berliner Referenten für Antidoping, Frank Hoppe stieß auf völliges Unwissen, ihm sei keinerlei Modifikationen in der Handhabung und Auswahl der Athleten bekannt. Beide konnten wir nur Mutmaßungen anstellen. Die wahrscheinlichste Variante ist die, dass  durch die von Kasparow intensiv geförderte Kampagne für  Schulschach in  der EU sich DSB und DOSB dazu entschlossen haben, schon im Vorfeld der rechtlich bindenden Beschlusse des EU Ministerrates ein sauberes und dopingfreies Schach zu präsentieren.

Offenbar werden nun punktuell Vereine getestet die im Schulschach aktiv sind. Dies erklärt auch die mehrfache Frage eines der beiden Herren nach Jens Sorgenfrei, der aber an diesem Abend durch Abwesenheit glänzte. Frank meinte noch, dass Zugzwang nur deshalb dran war, weil die wohl eine alphabetische Vereinsliste haben und dort von hinten anfingen. Scheint logisch. Erschreckend aber das Ergebnis.

Entsprechend der Durchführungsbestimmungen zur Ermittlung der Einnahme von illegalen Substanzen wird im Regelfall eine Urinprobe genommen – in begründeten Ausnahmen wird Blut entnommen – natürlich nur im Beisein eines Arztes. Nun, das wäre sicher allen aufgefallen, derartige Proben wurden nicht gefordert. Aber, wie uns erst jetzt durch besagtes Schreiben bekannt wurde, müssen die Kontrolleure nicht zwingend Körperflüssigkeiten einsammeln. Es reicht auch, wenn die Einnahme verbotener Substanzen beobachtet, dokumentiert sowie eine Probe sichergestellt wird.

Letzteres ist passiert, bei drei anwesenden Spielern wurde die Einnahme von verbotenen Substanzen beobachtet, fotografiert und eine Probe der fraglichen Substanzen genommen.

Aus rechtlichen Gründen kann ich hier die Namen der Betroffenen nicht benennen, aber wer sich die Fotos im Artikel zu Karlheinz Geburtstag ansieht kann sich seinen Teil denken. Dort sieht man übrigens mittig am oberen Bildrand einen der beiden ungebetene „Gäste“.

Fall 1, nennen wir ihn Schachfreund „Schwarzhemd“. Ihm wurde die Einnahme von 0,8 L koffeinhaltigem Heißgetränk in Verbindung mit 2 jeweils 0,5 L Flaschen Bionade nachgewiesen. Insgesamt ergibt sich daraus ein Koffeingehalt im Körper von über 0,05%/kg was um das Doppelte über dem erlaubten Grenzwert liegt. Da jedoch keine Hochdosierung im gesundheitsgefährdenden Bereich nachgewiesen wurde, bleibt das Vergehen weitest gehend ohne Folgen. Lediglich die Partie die gespielt wurde, wird für „Schwarzhemd“ genullt, es gibt keine Sperre, auch keine gebührenpflichtige Verwarnung aufgrund der Geringfügigkeit der Schwere des Vergehens. An dieser Stelle sei nochmal an den Rücktritt von Robert Hübner erinnert, der genau aus diesem Grunde erfolgte, weil das Trinken von 2-3 Tassen Kaffee als Doping zum Partieverlust führt. Der Mann war konsequent und weitsichtig! Dazu lese man unbedingt: http://www.schachbund.de/intern/archiv/2002/parkhotel/index.html

Fall 2, nennen wir ihn „Grünhemd“, er fiel schon im Vorfeld seiner Partie durch den Genuss einer grünlichen, übelriechenden Flüssigkeit auf. Diese entpuppte sich als mehrfach melachierter grüner Tee, der ebenfalls auf der Liste der verbotenen Substanzen steht und zwar in der Kategorie der Hallogenozoide. Diese fallen auch unter das BTM (Betäubungsmittel Gesetz). Da sich Grenzwert und mitgebrachte Menge knapp unterhalb der strafbaren Menge beliefen, verzichtet die NADA auf eine Anzeige, es handele sich ganz klar um Eigenbedarf. Allerdings wird “Grünhemd“ für den laufenden Wettbewerb gesperrt, seine bisherigen Ergebnisse werden genullt (was besonders bitter ist, weil diese Ergebnisse dann in die DWZ Wertung kommen – geschätzte  minus 100 Punkte). Eine generelle Sperre gibt es nicht, da man zugunsten des Sportlers entschied und aufgrund der geringen Menge bewusste Leistungsförderung ausgeschlossen wurde. Allerdings wird ein Bußgeld in Höhe der Laborkosten festgelegt, das an den“ Verband grünteeabhängiger Melancholisten“ zu leisten ist.

Fall 3, nennen wir ihn „Heinrich Kojak“, kommt mit einer Verwarnung weg.  In seiner DNA Probe (Speicheltest von einer Flasche) wurden erhebliche Mengen von Rückständen wachstumsfördernder  und follikelbildender Hormone gefunden, bekannt als Dr. Klenks APLEZIN gegen Haarausfall. Da Kojak zurzeit der Probe inaktiv war, fällt seine Sperre von 3 Monaten eigentlich recht moderat aus. Insbesondere weil diese erstens noch nicht rechtskräftig ist und zweitens mit dem Antritt einer Therapie gegen den exzessiven Missbrauch von Haarwuchsmitteln abgegolten ist.

Wie gesagt, noch ist keine der Sanktionen rechtskräftig, allerding glaube ich nicht, dass einer der Betroffenen Rechtsmittel einlegen wird.

Als Spielleiter möchte ich mich aber ausdrücklich von den genannten Exzessen distanzieren.