Archiv für Januar 2011

Ein Virus geht um…

Bei Chemie Weißensee hatte die Erste anzutreten. Der Gastgeber war leichter Favorit, zumindest nach DWZ bei Idealaufstellung. Allerdings ging bei unserer Truppe ein Virus um, der den Jürgen angeschleppt hat, der Remisvirus. Laut gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen hat ja Jürgen vor die ganze Saison durch zu remisieren, worauf hin sich gleich mal die ersten sechs Bretter entschlossen da mit zu machen. Nur Oskar und Arno streikten. 5:3 vergeigt, aber (theoretisch), wenn man Nordost (und vorher alle anderen) 6:2 wegpustet is noch alles drin…

Die Zweite wurde bei Rochade 5,5:2,5 gerupft und verfrühstückt. Auch hier gilt aber, wenn man die SG und danach Fredersdorf rasiert und zwischendurch nicht noch patzt is alles drin… theoretisch.

Die Dritte ließ sich in Treptow ebenfalls 5,5:2,5 kremieren. Man steht ebenfalls auf Platz 3 wie die Zweite, muss aber noch gegen alle Konkurrenten ran, naja der Abstieg dürfte kein Thema mehr sein.

Auch die Vierte musste in Treptow ran. Hier ein kurzer Spielbericht:

Gegen die Treptower waren wir der klare Favorit, aber es sollte spannend werden.

Kai hatte sich verfranzt und kam ne Viertelstunde später, da hatte Klausi aber schon ne Figur weggestellt. Bei allem Bemühen konnte er die nicht mehr einsammeln, dafür aber früher an Mutterns Kochtopp.

Gerdchen spielte überlegen, sammelte schon mal zwei Bauern ein, bekam dann aber seinen Sozialromantischen und ließ ein Dauerschach zu.

Derweil hatte Hendrik auch schon einen Bauern verhaftet  und stand gut. Während wir uns noch daran erfreuten wie Daniel aus gleicher Stellung heraus einen netten Angriff anzettelte und sein Gegenüber zertrümmerte, ließ sich Hendrik zu unser aller Entsetzen auf der h-Linie hinterrücks überfallen und hinrichten.

Auweia, 2,5:1,5 im Rückstand. Noch viel schlimmer war aber, dass just in diesem Moment Jens Sorgenkind in ausgeglichener Stellung auf Sieg spielen wollte/musste, statt dessen aber erst mal einen Bauern einstellte ähh ich meine opferte…

Kai stand unter Druck, bei  Marco war alles verrammelt und an 1 gings gerade erst los – also keine guten Aussichten. Zeitgleich wurde gerade die Dritte abgeschlachtet, nur Ersatzmann Christoph aus der Vierten zeigte seine gute Form und landete einen netten taktischen Sieg.

In Richtung Zeitkontrolle wurde es dann spannend,  Kai konnte sich befreien und in eine totlangweilige Stellung flüchten. Als guter Mannschaftsspieler kam er zu mir um zu fragen ob er Remis machen soll oder sinnlos weiterkneten, zu mir, weil der ML damit beschäftigt war Hendrik und die ganzen Looser aus der Dritten zu trösten…

Unser Sorgenkind mogelte sich auch zu einem Remis – womit wir also 3,5:2,5 zurück lagen, als neben mir am Brett Tumult entstand. Marco bemerkte wie sich rausstellte zu Recht, dass beim Gegner nach dem 39. Zug die Zeit überschritten wurde. Während ich mit der Linken seine Uhr anhielt und nach dem Schiedsrichter rief, machte ich mit der Rechten meinen Zug und drückte die Uhr. War auch nötig weil ich wieder in Zeitnot kam. Genau deshalb ließ ich noch mal sowas wie einen Hauch von Hoffnung für mein Gegenüber, der sich unter Bauernopfern etwas befreien konnte, einen Turm auf der offenen g Linie, einen auf b2, die Läufer auf h4 und e6 postierte und mich auskontern wollte. Aber so ein alter Trapper läßt sich nicht so schnell in die Flinte pieseln, nach dem 40.ten hatte ich im Turmendspiel satte 3 verbundene Freibauern mehr. Als er nicht aufgab quälte ich ihn noch ein bissel, auch die Kibitze, und er ließ es sich  bis zum Matt zeigen.

Knapp und eigentlich auch glücklich gewonnen, Tabellenführer mit 10:0 und 3 Punkten Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz – ich denke mal da könnte noch was gehen…

Aktuelles

Freitag findet Runde 4 der Clubmeisterschaft statt -wie ich hoffe mit deutlich mehr Beteiligung als in den letzten Monaten.
In der A Gruppe zieht Peter einsam seine Kreise (9/9) vor Wolfgang (6/6) und den beiden Martins je 4/6. Offen sind noch die Partien:

Ramlow-Rehder; Menschik-Lang; Sebastian-Zum Winkel;Ramlow-Menschik und Rehder-Noack.

Die B Gruppe wird bisher durch Neuling Dietmar König mit (9/9) dominiert, es folgen Danny (5/9) und Christoph (4/6). Offen sind noch:
Bender-Kopischke;Jank-Klemt;Kopischke-Töpfer

In der BMM sieht es nach dem Aufstieg aller Manschaften im letzten Jahr auch in dieser Saison wieder sehr gut aus. Noch haben alle vier Truppen die Chance auf einen Durchmarsch.
Die Erste führt unerwartet aber souverän, Ausfälle werden glänzend weggesteckt und einige legen hervorragende Serien hin.
Die Zweite steht nur auf Platz 2 aber punktgleich und verlustpunktfrei hinter Spitzenreiter Fredersdorf. Warscheinlich spitzt sich der Aufstiegkampf zwischen den beiden zu und wird in Runde 7 in Fredersdorf geklärt. Alles ist möglich.
Die Patzer aus der Dritten sind die einzigen Zugzwängler die bisher einen Punkt abgegeben haben… Sie stehen mit 7 Punkten direkt hinter ihrem letzten Gegner und liegen nach Brettpunkten zurück. Der erste Aufstiegsplatz sollte schon an den übermächtigen Tabellenführer SW Neukölln vergeben sein, aber Platz 2 nach Brettpunkten ist immer noch drin.
Auch die Vierte dominiert ihre Staffel und muss sich wohl als ernsthafter Aufsteigskandidat bezeichnen lassen.

Fortsetzung am 23.1. …

„Big Brother“ in Action – beim Potsdamer Weihnachtsturnier

Weihnachten ohne Schach?? Geht gar nicht!

Als ich vor fünf Jahren – witziger Weise an dem Tag als Garry zurück trat – mein Comeback gab, stellte sich mir die Frage, wo man in der einzigen garantiert arbeitsfreien Zeit des Jahres ein kleines Turnier spielen kann ohne reisen zu müssen.  Antwort: Potsdam, aber das ist auch ne Tour, dazu später mehr.

Also klagte ich an einem Vereinsabend an dem die Clubmeisterschaft gespielt wurde mein Leid und fragte so in die Runde, ob denn nicht der Eine oder Andere Lust hätte, zwischen Weihnachten und Neujahr ein kleines Rundenturnier mit zu spielen. Ich würde die Organisation übernehmen und das Spiellokal stand uns damals ja uneingeschränkt zu Verfügung…

Im Laufe des Abends fanden sich sogar deutlich mehr als die erwarteten 8 Leutchen die mitmachen wollten und Olaf und Hendrik machten Nägel mit Köpfen, sprich eine Ausschreibung. Dann gaben wir dem Kind noch einen Namen, nämlich „Prenzlberg Open“ und es wurde eine Erfolgsgeschichte. Die leider abrupt gestoppt wurde…

Also musste ich mir diesmal Potsdam antun. Musste weil schachsüchtig und antun wegen Winter.

Für alle die es schon vergessen/verdrängt haben, am 27.12.  lag Schnee, viel Schnee, zu viel Schnee für die Räumdienste. Um pünktlich 8:30 in Potsdam zu sein musste man bei dem zu erwartenden Chaos auf der AB schon so gegen 6:00 los. Vorher natürlich erst mal ne halbe Stunde Schnee schippen um vom Grundstück zu kommen. Von Bernau nach Potsdam sind es so etwa 85 km auf dem Ring, durch Berlin durch geht auch, tut man sich aber lieber nicht an, schon gar nicht im Winter. Also ich los um sechs auf die völlig unerwartet natürlich nicht mal ansatzweise geräumte AB, mit rasanten 40 kmh um dann in Potsdam (ich kenn mich da aus) die angegebene Adresse nicht zu finden. Also Navi raus und an, aber auch nix. Hmm. Also Kurven drehen ums Gelände, bis man jemand Bekanntes sieht.  Klappte auch, nach drei großen Runden und einer halben Stunde Gesuche sah ich dann im Schlepptau von Familie Schrodt einen Haufen titeltragender Berliner Gesichter. Also Parkplatz suchen. Die gabs reichlich – bloß es war nix geschoben…

Also Arschbacken zusammen kneifen und durch, sprich mit Vollgas über die Schneewehe. Gelernte Ossis und leidgeprüfte  BMW Fahrer haben eh im Winter alles bei  (Letztere eine Kiste Sand und ne Schippe – so wieder gesehen bei mehreren Teilnehmern), ich meinen Schneeschieber. Also Parkplatz freischaufeln. Neidvolle Blicke ringsum, ich bin der Einzige auf nem ordentlichen fei geschobenem Parkplatz. Und schon kommen die ersten unsittlichen Angebote…  Nee, ich lass lieber andere für mich arbeiten und vermiete meine Schneeschaufel für Kaffee…

Die Organisatoren zeigen Mitleid mit den Prenzlberg Open Opfern und geben allen, die bei Zugzwang auf der Meldeliste standen Frühzahler-Rabatt. Sehr anständig.

Natürlich wissen alle wo ich herkomme und alle wollen wissen warum das PB Open ausgefallen ist. Und einige Klugscheißer tönen denn auch gleich rum wie man es hätte retten können. Beispiel gefällig? Ein gewisser M.H. aus Schweineöde :“ Det hätt ich doch innahalb von zwee Tajen orjanisiert jekricht, det Ding zum Beispiel in Schöneweide zu starten, Is doch keen Ding, is doch allet da… „  Ich halt mich raus und meditiere und warte auf meine erstes Opfer.

Mit reichlich Verspätung – in diesem Fall wetterbedingt sinnvoll – beginnt das Turnier. Als Turniersaal dient die Mensa, etwa halb so groß wie bei Zugzwang ist der Raum, mit offenem Durchgang zum Flur aber separatem Pausen und Analyseraum.   104 Spieler haben sich eingefunden, mehr hätten es denn auch nicht sein dürfen. Zwei Schiedsrichter/Organisatoren kümmern sich, für einen Imbiss ist gesorgt, natürlich nicht in der gewohnten Zugzwang Qualität / Quantität, wobei unser aller Lieblingsgetränk nicht im Angebot war . Die ersten 24 Bretter haben Bundesliga Material, dann gibt es bis Brett 40 Holzfiguren, Plastikbretter und Garde Uhren, danach wird’s billig…

Ergebnisse und Ansetzungen stehen aktuell unter www.weihnachtsturnier.de im Netz und die Partien werden schrittweise nachgereicht.

Ich bin an 53 gesetzt (nach TWZ) und damit in der zweiten Tabellenhälfte- was mich eigentlich etwas wundert. Oben findet sich eine ordentliche Menge Ü2000 Spieler, ein GM ein IM und ein FM.

Erster Tag: Das Turnier fängt gut an, in Runde 1 erwische ich einen gewissen Sergej mit Schwarz. Da er in letzter Zeit angeblich nicht so recht in Form ist hol ich mir einen Kaffee und bereite mich seelisch und moralisch auf einen Drachen vor. Aber nö, der setzt mir d4 vor und will mich in alle Ruhe kneten. Gelingt ihm auch, wohl deshalb  weil ich mich nicht rechtzeitig traue mit c5 zu kontern.

O.K. gegen so einem  GM kann man schon mal verlieren, zumal es nicht peinlich war. Und er sehr nett ist, nahm sich ne Menge Zeit um mir zu zeigen, was ich alles nicht gesehen habe. Aber beim nächsten Mal ist er fällig…;)

Runde zwei bringt mir dann einen 800er und somit eine frühe Heimfahrt und genug Zeit zum Schnee schippen.

Zweiter Tag: Totales Verkehrschaos, AB vereist, mehrere Unfälle, ich komm ne Viertelstunde zu spät. Ein Jugendlicher mit knapp 1500. Sollte machbar sein.  Sollte. Aber der spielt (nach Angabe seines Trainers) die Partie seines Lebens und tötet meinen Drachen. Wobei der Drache suicidal veranlagt war. Damit ist das Turnier eigentlich gelaufen. Der sehr hübsche kurze Sieg am Nachmittag tröstet ein wenig. 50% und satt im Minus, aber ne schöne Angriffspartie gespielt.

Dritter Tag: Sagen wir mal geordnetes Chaos. Es geht so. Früh einen 1850er, Königsindisch, auf Messers Schneide. Ich gebe eine Figur für 2 Tempi, einer fehlt aber, dann opfere ich einen Turm um wenigsten ne Remis-Schaukel hinzukriegen und  fische als er das auch noch alles sieht ein wenig  im Trüben, alles vergeblich. Mit fliegenden Fahnen untergegangen – aber Spaß gehabt.  Nachmittags hol ich mir dann n Kaffee, starte einen Angriff und stelle fest, dass ich schon im 9. Zug hätte auf h7 einschlagen können /müssen. Aber da war ich noch nicht wach. Egal, dauerts eben 10 Züge länger bis ich einen Turm auf h6 opfere, dann einen Springer auf f7 und ein nettes Matt finde.

Vierter Tag: Neuschnee, nach dem allmorgendlichen  Schnee schippen geht’s los. Aber nicht weit. Auf der Landstraße verliert ne Frau die Kontrolle über ihre Kiste und dreht sich mehrfach, sie landet auf der Leitplanke, drei weitere Autos in den Schneewehen. Bis der nächste Allrad Geländewagen kommt und uns rauszieht dauerts ne Stunde. Runde 7 muss ich also schwänzen. Da hilft auch der Schneeschieber nicht. Karenzzeit 30 Minuten. Wenigstens kann ich den Schieri anrufen.

Fazit: Dreimal mit Schwarz verprügelt worden, jede Menge Kilometer geschrubbt, Nerven gelassen, zwölf DWZ Punkte verloren und an drei Tagen jeweils mehr als zwölf Stunden unterwegs.

Da hab ich in der letzten Saison 25 Partien am Stück nicht verloren, aber in dieser Saison schon 10 Mal auf die Nuss bekommen.  

Warum tut man sich das alles an? Masochismus oder Schachsucht??? Oder wiegen die zwei  flotten Angriffspartien das ganze Elend auf?

Gewonnen hat übrigens Benjamin vor Sergej, Ulf wurde Achter.

„Big Brother“ is watching you…

und zwar Live im Internet. Doch der Reihe nach: Mit Rene Schildt und Andreas Kohtz gönnten sich zwei Zugzwängler das Neujahrsturnier in Guben (www.schach-guben.de).

Einträchtig neben einander auf Startplatz 22 und 23 gesetzt hatten beide jedoch höchst unterschiedliche Turnierverläufe. Beide landeten bei  5 aus 9, Rene auf 27 und Andreas auf 39, aber Rene gewann 11 DWZ Punkte dazu (ELO 2) während Andreas satte 35 (16) verlor.

Viel wichtiger aber, Rene startete sehr gut mit 3 Siegen gegen schwächere Gegner und einer Null gegen einen 2300er FM. Dann kam die Kür (Belohnung): gleich zweimal an Brett 5 jeweils mit Weiß, jeweils gegen IMs und jeweils Live im Internet.

Dass die Übertragung leider technisch grauenhaft war ist schade, aber „Big Brother“, in diesem Falle ich, konnte doch sein Remis gegen IM Foisor verfolgen. Dass gegen IM Stern nix lief tut der ganzen Sache keinen Abbruch. Anschließend konnte oder wollte Rene seine Chancen gegen nominell schwächere Gegner nicht nutzen und ließ das Turnier mit drei Remisen austrudeln.

Trotzdem großen Respekt und Glückwunsch!